Kinder brauchen beide Eltern




Der Väteraufbruch ist seit 1988 für Kinder da

Mit der Scheidungsreform änderte sich auch die grundlegende Rolle beider Eltern nach einer Scheidung. Väter hatten nach einer Scheidung nahezu grundsätzlich rechtlich lediglich die Stellung eines Zahlvaters. Nichteheliche Väter waren damals weitgehend rechtlos.

Eine zunehmende Zahl der Väter wollte aber nicht mehr nur die Rolle des Ernährers spielen. So wie sie sich in der zusammenlebenden Familie als eine der beiden wichtigsten Personen für die Kinder partnerschaftlich mit der Mutter ihrer Kinder engagierten, wollten Sie diese Verantwortung auch nach einer Trennung oder Scheidung nicht mehr abgeben.

Auch in der Wissenschaft entwickelte sich langsam die Erkenntnis, dass ein Vater viel stärkere Qualitäten hat als die des materiellen Versorgers.

Im Jahr 1988 fanden sich aufgrund von Medienveröffentlichungen bundesweit mehrere Väter zusammen, die unter Führung von Werner Sauerborn den Verein „Väteraufbruch für Kinder“ gründeten. Der Verein trat bundesweit auf, aber es bildeten sich lokale Gruppen in den wichtigsten Großstädten, wie Frankfurt, Köln, Stuttgart, München, Berlin und Hamburg. In den ersten Jahren entstand auch die die erste Väterzeitung: Paps.

Der Verein verstand sich ausdrücklich nicht als reine Väterlobby, daher führte er den Namen „Väteraufbruch für Kinder“. Den engagierten Vätern war bewußt, dass Familie – auch nach einer Trennung – eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllt und dazu Vater und Mutter gehören.

Bereits in den Anfangsjahren trat er in einigen wichtigen Fernseh-Diskussionsrunden auf, so u.a. mit der damaligen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin. In den Jahren 1993/1994 wurden Demonstrationen in Bonn organisiert, wo um die 400 Väter mit leeren Kinderwagen über die Rheinbrücke zogen.

Der Verein hat sich seit Gründung nicht nur als politische Stimme verstanden, sondern hat vor Ort getrennten Eltern durch regionale Selbsthilfegruppen ehrenamtliche Unterstützung geboten. Damit hat er von Anfang an eine wichtige soziale Aufgabe wahrgenommen. Von der Politik wurde das Engagement im Gegensatz zum starkem Einsatz für alleinerziehende Mütter nicht nur nicht gefördert, sondern teilweise auch kritisiert. Diese politische Einseitigkeit führte zeitweise auch zu Verbitterung betroffener Väter und einer Polarisierung der politischen Diskussion. Zwischenzeitlich hat der Verein einen ausgewogenen Weg gefunden, der notwendigen Protest, konstruktive Hilfe und fachliche politische Mitwirkung gut miteinander verbindet.

Der Väteraufbruch für Kinder ist der älteste und einzige bundesweite Verein engagierter Väter, in dem sich auch eine immer größere Anzahl von Müttern, mittlerweile etwa 10%, engagieren. Die Zielsetzung ist ausdrücklich auf die Bedürfnisse der Kinder und dem Erhalt der Beziehung zu Vater und Mutter orientiert. Nach Satzung geht es um die Stärkung der Rolle des Vaters. Ein Ziel also, welches auch im Interesse von Müttern (dient ihrer Entlastung und beruflichen Entwicklung) und insbesondere der Kinder ist. Der Verein engagiert sich für eine partnerschaftliche Elternschaft auf Augenhöhe auch nach einer Trennung.Daher lautet das Motto auch: Allen Kindern beide Eltern.

Seit Beginn diesen Jahrtausend wurde die Arbeit des Vereins zunehmend professionalisiert. Neben professioneller Beratung werden Seminare zur Schulung und Weiterbildung angeboten. Hohes fachliches Niveau wird durch die Fachkongresse, insbesondere den Familienkongressen seit 2003 und den Väterkongressen seit 2008 bewiesen. Viele aktive Eltern vor Ort organisieren Eltern-Kind-Freizeitangebote oder auch spezielle Väterangebote.

Gegenwärtig hat der Väteraufbruch knapp 3.500 Mitglieder, die sich in rd. 100 regionalen Gruppen engagieren. Mit seiner Tätigkeit spricht der Verein jährlich etwa 25.000 Väter und Mütter an.

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